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Bild-Schirm und Bild-Werfer

Die Ueberflaeche ist aus der zweiten Transformation der Flächenwahrnehmung entstanden. Die erste Transformation war die Entwicklung der Differenz von Oberfläche und Sinn und die Herausbildung der Idee eines Jenseits - im räumlichen wie im religiösen Sinne. Während der zweiten Transformation, die eng mit der Verbreitung von Bildschirmmedien verknüpft ist, wurde deutlich, dass bestimmte optische Eindrücke sich dieser Dualität entziehen, dass es Oberflächen gibt, die auf keinen Sinn außerhalb ihrer selbst verweisen. Dies sind die Oberflächen, die wir als Ueberflaechen bezeichnen.

Ursprung der Ueberflaechen sind alle Arten von Bild-Schirmen. Das, was hinter dem Bild(schirm) liegt, die Röhren, die Plasmaelemente, ist nicht das, was das Bild be-deutet. Zu unterscheiden ist also der Bildschirm als Oberfläche (materiell) vom Bild-Schirm als Ueberflaeche (symbolisch-immateriell). Für die Fliege, die auf ihm krabbelt, ist der (Bild)Schirm Oberfläche, für den Menschen, dem er die Welt zeigt und erzeugt, Ueberflaeche.

Die traditionellen Röhrenbildschirme suggerieren durch Tiefe und Gewicht des Apparates eine materielle Qualität, die in der Ueberflaeche negiert ist. Erst die Entwicklung von TFT- und Plasma-Monitoren, insbesondere aber die der Beamer (Bild-Werfer) machte eine Theorie der Ueberflaeche möglich: nun findet die Immaterialität der Ueberflaeche ihren technisch adäquaten Ausdruck. Im Gegensatz zum klassischen Röhrenbildschirm lassen TFT- und Plasma-Monitore die Illusion des Guckgastentheaters gar nicht erst entstehen. Sie schließen von vornherein aus, dass ,dort drinnen' etwas ist, das in irgendeinem Zusammenhang zu dem an der Oberfläche gezeigten steht.

Die ideale Ueberflaeche schließlich hat gar keine realräumliche Tiefendimension, ist materiell nicht mehr existent. Sie wird erzeugt vom Beamer, der glatte Oberflächen, unabhängig von ihrer sonstigen Beschaffenheit, in Ueberflaechen verwandelt. Hier wird Oberfläche generell zur Ueberflaeche.

 

Michael Schetsche, Thomas Temme

1. August 2004 / 28. August 2005