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Surtualismus und die Ueberflaechen-Funktion der Körperoberfläche (Kommentar)

Diese Ueberflaechen-Funktion der Körperoberfläche stellt den strukturell verborgene Sinn der Aktfotografie dar. Ihn anzuzeigen, ist Aufgabe der surtuellen Körperfotografie, die das Gegenteil von Aktfotografie ist, weil die den Körper nicht symbolische entkleidet, sondern ihn symbolisch bekleidet. Sie macht den Körper offensichtlich zur beliebigen Projektions- und Spiegelfläche, transferiert damit Oberfläche sichtbar in Ueberflaeche (und beraubt die Körperoberfläche so ihrer okkulten Ueberflaechenfunktion).

Dabei kommt es nach dem Ende der Moderne nicht mehr darauf an, ob es der weibliche oder der männliche Körper ist, der zur Projekts- und Spiegelfläche wird. Der männliche Blick richtet sich heute auch auf den männlichen Körper - sei es der maskulin-männliche Blick des Homosexuellen oder der feminin-männliche Blick der emanzipierten Frau. Männlicher wie weiblicher Körper haben nun (wir sehen es in der Bildsprache der Werbung) gleichermaßen die Funktion inne, die in der Moderne allein dem weiblichen Körper zu kam: sie wirken ueberflaechig.

Entsprechend kann es in der surtuellen Körperfotografie keinen Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Körper geben; was allein zählt, ist die menschliche Körperoberfläche, die explizit zur Ueberflaeche gemacht wird. Von ,weiblicher' im Gegensatz zu ,männlicher' Ueberflaeche zu sprechen, macht keinen Sinn. Traditionell ist der Körper als Ueberflaeche immer weiblich. Aber diese Zuordnung verschwindet in dem Maß, in dem die Ueberflaechenfunktion des Körpers explizit wird.

 

Kytom L.

12. August 2004